Interview mit dem Autor von „Wurzeln des Glücks“ – Hans-Erich Krüger

Wie sind Sie aus Bremen in den brasilianischen Busch gekommen?
Oh, das ist eine sehr lange Geschichte. Der erste Kontakt war 1962. Meine Bremer Lehrfirma schickte mich nach meiner  kaufmännischen Ausbildung nach Bahia und Alagoas. Es war der erste Sozialschock. Die Armut, das Unwissen und die hygienischen Verhältnisse waren haarsträubend.  Da blieb ich ein halbes Jahr, bevor ich zurückkehrte und auf Journalismus umsattelte. Nach weiteren drei Jahren ging ich erneut nach Brasilien, dieses Mal nach Sao Paulo. Einige Jahre später kam ein Angebot, nach Angola zu gehen. Aus heutiger Sicht waren das die schönsten Jahre. Um Politik kümmerte ich mich nicht weiter, bereiste das ganze Land und verkaufte Industrieanlagen, vor allem für die Landwirtschaft.
1975 wurde Angola unabhängig von Portugal und ich ging wieder zurück nach Brasilien. Seitdem lebe ich hier mit Unterbrechungen auf der Fazenda, fliege häufiger über den Teich und pflege meine Kontakte dann von Bremen aus. Sie sehen also, dass Brasilien mich immer wieder angezogen hat, so wie mich Angola mit seinen schönen Landschaften immer noch fasziniert. Besonders die wilde Natur und als Kontrast dazu die organisierte Landwirtschaft und der Umgang mit Pflanzen sind meine Leidenschaft.

HEK Interview 1
Was hat Sie bewegt, mit dem Bücherschreiben anzufangen?
Anzufangen ist eigentlich so nicht ganz richtig. Ich hab schon als Schüler kleine Geschichten geschrieben, meistens über Tiere. Über Jahrzehnte hat mein Beruf mir keine Zeit gelassen, denn zum Schreiben gehört viel Disziplin und Stoffsammmlung, also Zeit. Aber irgendwann hat sich bei mir die Idee festgesetzt, daβ mein Leben sehr bunt und aufregend war und ist und genügend Stoff für Romane enthält. Vor einigen Jahren begann ich,  erst sehr zögerlich, eine Handlung  zu „komponieren“.

In wie weit sind Ihre Erfahrungen aus Angola und Brasilien in Ihren Roman eingeflossen?
Wie schon gesagt, bei mir hat sich ein riesiger Berg von Erlebnissen aufgestaut, die ich jetzt kanalisieren will. In „Wurzeln des Glücks“ wird ein kleiner Teil in eine Romanhandlung umgesetzt. Ich bin kürzlich zwei Mal wieder in Angola gewesen und habe mich auf dem landwirtschaftlichen Sektor umgesehen und glaube, dass daraus noch weitere spannende Handlungen entstehen könnten. Ich versuche grundsätzlich, eine Brücke zwischen Fiktion, oder Spannunsgbeschleunigung, und realem Hintergrund, also Fakten, zu bauen. Das gibt einem Roman mehr Glaubwürdigkeit.

Warum haben Sie einen fiktiven Roman geschrieben und keine Autobiographie?
Ach, wissen Sie, das geht etwas direkt auf das sogenannte Ego zu. Eine Autobiographie limitiert mich, denn bei vielen Handlungen müsste ich erfinden. Ein fiktiver Roman erlaubt mir, meiner Phantasie nachzugeben und sie trotzdem noch am Zügel zu führen.

HEK Interview 2
Haben Sie weitere Buchprojekte oder oder bleibt es bei diesem einen Roman?
Das habe ich eigentlich schon beantwortet. Inzwischen wurde der zweite Roman fertiggestellt und ich sichte bereits mein Material für den dritten Roman. Nummer Zwei heiβt „Haus der Fledermäuse“ und spielt vorwiegend im Norden Brasiliens, mit einigen Abstechern nach Europa. Es ist für mich eine Liebeserklärung an das gute Brasilien, an die warmherzige Bevölkerung, die Hilfsbereitschaft. Und eine äuβerst harte Kritik am herrschenden System. An den Exzessen der Korruption und dem Fehlen einer tragenden Idee für die Zukunft. Es geht um Heilpflanzen, die sanfte Erschlieβung der Wälder und den Umbau im Denken für eine Zukunft, die allen offenstehen soll. Das alles ist eingebunden in eine spannende Handlung aus Biopiraterie, Abholzung der Wälder, Versuche einer Internationalisierung des Amazonasgbietes und vielem mehr.

Wie lebt es sich in Brasilien? Haben Sie Sehnsucht nach dem kühlen Deutschland?
Es kommt sehr darauf an, was man sich unter“ leben“ vorstellt. Meine Frau und ich führen ein einfaches Leben auf der Farm. Brot, Butter, Käse und einige Gemüse stellen wir selbst her. Das Klima begünstigt den Anbau das ganze Jahr über. Einmal in der Woche steigen wir ins Auto und fahren in die nächste Groβstadt zum einkaufen. Uns genügt das. Wir halten nicht viel von „immer mehr“. Deutschland ist ein tolles Land, wenn man Dinge erwerben will, die in Brasilien durch hohe Steuerbelastungen zu teuer sind. Natürlich sind auch meine Freunde in Deutschland wichtig und es gibt viel Familie. Also versuchen wir, einen Mittelweg zu finden. Sehnsucht nach Deutschland ist das nicht, aber es ist viel Liebe dabei und natürlich spielt die Kultur eine Rolle. An Kultur gibt es bei uns im Inland nichts.

Wird des Lesungen in Deutschland geben?
Wenn Interesse vorhanden ist, sicherlich. Ich glaube aber, daβ sich mein 2. Buch dafür besser eignet. Das wollen wir mal der Entwicklung überlassen.

Wir danken für dieses Gespräch!

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